Die Sache mit den Flatrates…

Inspiriert durch Sascha von Mobilegeeks, der sich jetzt mal über die Situation mit diesen Flatrates in Deutschland unter dem Titel „Schluss mit dem Etikettenschwindel – Wir brauchen eine richtige Flatrate!“ ausgelassen hat, dachte ich mir – ich muss da auch mal was loswerden… Aber nicht nur auf die Internetverbindung bezogen, nicht nur über Mobilfunk. Lasst euch überraschen.

Definition "Flatrate"

Telefonflatrate

Ja, ich möchte erst mit der Telefonflatrate anfangen. Ich weiß ja nicht, wie es bei anderen ist – aber ich telefoniere jetzt nicht so viel, dass sich eine Flatrate rentieren würde. Das Telefon daheim benutze ich nicht, da bin ich auch nie erreichbar – der Rest daheim telefoniert ab und an mal, die 10 Euro im Monat sind dadurch aber trotzdem nicht gerechtfertigt. Habe ich eine Wahl? Bei meinem Anbieter ja, ich könnte das VoIP-Paket abwählen. Aber wie sieht es denn bei dem größten deutschen Telekommunikationsdienstleister aus? Pech gehabt. Die Telekom bietet sowas gar nicht an.

Magenta-Tarife der Deutschen Telekom AG
Magenta-Tarife der Deutschen Telekom AG

Die denken sich wohl: „Kunden, die kein Telefon wollen? Kann nicht sein, das gibt es nicht. Falls doch, sollen sie es trotzdem zahlen.“ Oder liege ich da falsch? Warum verdammt nochmal muss ich denn unbedingt für die Telefonieflatrate zahlen, wenn ich das überhaupt nicht will? Es werden zusätzliche Frequenzbereiche der Leitung, die man wunderbar für eine höhere Bandbreite nutzen könnte. Aber bietet man mir das an? Nö.

Kann ich denn noch wählen, ob ich eine Flatrate möchte, oder pro Minute zahlen möchte? Ich kann dazu leider nichts finden. Möchte ich das? Nö. Ist doch beschissen, das wird einem einfach aufgezwungen, ob man möchte oder nicht. Deckt die Flatrate denn dann auch wenigstens alle Telefonate ab, die ich unter Umständen führen möchte? Nicht mal das – Telefonate in beliebige Mobilfunknetze sind schweineteuer; das kostet pro Minute stolze 19 (!) Cent zusätzlich zur nicht gewollten Festnetzflatrate.

36 Minuten telefoniert
Ja, so schnell kommt man wirklich durch den Eurotunnel.

Genau das gleiche Spiel aus dem Mobilfunknetz. Brauche ich da unbedingt eine Telefonflatrate? Eigentlich nicht, so viel telefoniere ich einfach nicht, dass sich das irgendwo rentieren würde. Aber okay, hier gilt sie meist wenigstens für alle deutschen Mobilfunknetze und das deutsche Festnetz. Im letzten Abrechnungszeitraum habe ich stolze 36 Minuten telefoniert, das wären bei einem üblichen, günstigen Prepaid-Anbieter für 9 Cent pro Minute lediglich 3,24 €.

SMS-Flatrate

Die gute alte SMS-Flatrate. Wie ich meine, total gefeiert, als die das erste mal gekommen ist – da hat man auch noch tatsächlich SMS geschrieben, da hat sich das gerechnet! Ich weiß ja nicht, wer das hier vielleicht liest, aber wenn du jünger bist als ich, wirst du das vielleicht gar nicht mehr kennen, wir haben früher (als ich jünger war) wirklich fast nur über SMS kommuniziert und wenn man quasi eine Gruppenkonversation haben wollte, hat man die SMS an jeden einzelnen schicken und somit für jeden Empfänger der SMS extra zahlen müssen! Aber brauche ich das heute noch? Nö. Vielleicht gibt es noch Leute, die viel SMS schreiben – ich kenne auch noch einige, die kein Smartphone haben. Aber wenn ich ein Smartphone habe, schreibe ich doch um ehrlich zu sein keinem mehr eine SMS, oder? Konsorten wie WhatsApp sind da doch viel besser: Gruppenkonversation, Bilder, Video, Audio, Texte – so viel und oft man will, für 89 Cent im Jahr. Im letzten Abrechnungszeitraum habe ich lediglich eine SMS verschickt und das nur für einen Test, nicht mal an eine Person. Das hätte mir bei einem der günstigen Prepaid-Anbieter stolze 9 Cent gekostet. Nicht mehr.

1 SMS

Internet

„Flatrate“ – kann man das wirklich so nennen? Aus dem Festnetzbereich sag ich ja jetzt noch gar nichts, da habe ich mich schon bei Internetverbindung auf dem Land drüber ausgelassen. Da finde ich das Preismodell prinzipiell okay, leistungstechnisch könnte man noch ein paar Sachen freundlicher für die Endkunden machen, aber lassen wir das mal so stehen. Hier muss ich mich wirklich auf die mobile Internetverbindung konzentrieren.. Ich habe im letzten Abrechnungszeitraum nur 850 MB verbraucht, den Monat davor 780 MB.

Schaut euch mal die Zeiten des Smartphones an :D Zufall!
Schaut euch mal die Zeiten des Smartphones an 😀 Zufall!

Ich muss dazu sagen, ich hab monatlich 2,5 GB Datenvolumen, mit LTE bis zu 50 MBit/s. Warum so viel? Vorher mit 500 MB bin ich ständig an die Grenzen gestoßen. Die letzten 3 Jahre war ich regelmäßig immer eine Woche am Stück nicht daheim. Da wo ich war gab es kein Internet, irgendwie muss man sich ja helfen. Zusätzlich habe ich auch noch einen Surfstick mit 10 GB pro Monat… Für 30 Euro monatlich… Hatte ich aber auch gebraucht, war fast zu wenig. Das ist schon das nächste, worum es auch Sascha ging – wieso verdammt nochmal ist das hier so verdammt teuer? 30 Euro für 10 GB oder beim Smartphonevertrag, der normal 70 Euro im Monat kostet nur 2,5 GB? Ganz ehrlich – das ist doch fast schon der bisher größte Witz des 21. Jahrhunderts mit dem Web 2.0 – geschweige denn im Jahr 2015. Kann man denn daran nicht irgendwie schrauben? Mit Sicherheit, aber man will es wohl nicht. Es gibt natürlich auch Nutzer, die gar nicht das Bedürfnis haben, so viel zu verbrauchen. Aber gibt es für die wenigstens andere Tarife? Jain, nicht überall. Es ist und bleibt preislich viel zu hoch, egal was für einen guten Tarif man erwischt (ich zahle auch nicht die 70 Euro, die der Tarif eigentlich kostet). Einfach nur krass, wie deutsche Mobilfunkanbieter die Kunden abzocken und keiner braucht mir jetzt hier erzählen wollen, dass das keine Abzocke ist. Wie Palle auch so schön zeigt, können es beispielsweise die Taiwanesen deutlich besser! Für umgerechnet ungefähr 35 Euro im Monat bekommt der Kopf von mobilegeeks.de dort eine LTE-Flatrate, die wirklich eine Flatrate ist! Wer das nicht glauben will, möchte sich doch bitte den anfangs verlinkten Beitrag durchlesen.

Nochmal zurück auf meinen monatlichen Verbrauch mit dem Smartphone: Merkt ihr es nicht auch, wie man sich automatisch selber zurückhält und unterwegs nicht die Dienste nutzt, die man eigentlich nutzen möchte? Und warum das? Weil man ständig im Hinterkopf hat, dass man ja gedrosselt werden könnte. Das ist doch die reinste Manipulation, oder nicht?  Ich schränke meine Nutzung ein, weil ich mich für teuer Geld einschränken lasse und ich komme aus diesem Käfig einfach nicht heraus, ich hab gar keine Chance dazu, wenn ich nicht auf die mobile Internetverbindung verzichten möchte.

Fazit

Liebe deutsche Telekommunikationsdiensteanbieter (langes Wort) – ändert etwas! Seid freundlicher zu Kunden, nehmt euch ein Beispiel an anderen Ländern! Versucht nicht aus allem Geld zu machen (oder ist das die deutsche Mentalität?) und tut nicht nur immer so, als ob ihr an das gemeine Volk denken würdet, sondern macht es auch mal!

Die Alternative, die ich euch vorschlagen möchte: Ändert die Bezeichnungen eurer Tarife! Die Telekom hat schon mal ganz gut angefangen, mit den neuen Titeln „Magenta“. Ist ja ähnlich zu lila und das ist ja bekanntlich die Farbe der unbefriedigten Frau. Ist magenta dann jetzt die Farbe der unbefriedigten, Internet nutzen wollenden Menschen? Ansonsten wäre es auch noch möglich, Tarifbezeichnungen wie beispielsweise „Abzocke 1000“ für einen Tarif mit 1 GB Datenvolumen. Am besten mit dem Zusatz „inklusive unfreiwillige, teure Extraleistungen“.

Was ihr auf jeden Fall machen müsst: Verzichtet verdammte Scheiße nochmal auf den Begriff „Flatrate“! Es hat einfach nichts mit Flatrate zu tun, wenn es nicht auch wirklich eine Flatrate ist. Und argumentiert jetzt nicht damit, dass man ja auch nach Überschreiten des Highspeed-Volumens weiter surfen könne – GPRS-Geschwindigkeit ist mittlerweile prähistorisch! Das ist Technik von vor 20 Jahren und das war schließlich im letzten Jahrtausend. Lasst das einfach, das macht keinen doch keinen glücklich, außer eure Geldbeutel.

Cheers!

About MrFreakYu

Freak, Nerd und ab und zu bloggt er was. Beruflicher Fachidiot - äh, Fachinformatiker. Die viel coolere Bezeichnung der IHK ist "Computer Science Expert - Subject Area: System Integration". Tätig als Netzwerk- und Systemadministrator hat er viel zu wenig Zeit zum Bloggen.
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